Warum ich Hardware von AMD benutze - Grafikkarten, Teil 3

Wie bereits angekündigt, werde ich mich in diesem Teil mit den Firmen an sich auseinander setzen.

Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass Nvidia einen geradezu unrealistisch guten Ruf genießt. Es ist nicht so, dass ich ihnen den nicht gönnen würde - aber wenn selbst Leute, die sich vorherzumindest etwas informiert haben, für ihr Geld lieber eine Nvidia-Karte kaufen, die weniger leistet als eine AMD fürs gleiche Geld, regen sich bei mir schon erste Zweifel an einem gesundem Markenbewusstsein. Nvidia-Karten benötigen auch heute noch durch die Bank etwas weniger Strom als ihre Gegenspieler bei AMD (für den Grund siehe vorheriger Teil), allerdings sollte das bei Grafikkarten am letzten interessieren, ob sie nun 220W oder 250W braucht. Die Hauptsache ist, dass sie gekühlt werden. Hier muss man nochmal anmerken, dass Nvidia momentan ein wesentlich besseres Referenzdesign hat, welches man sich aber grundsätzlich nicht kaufen sollte, sondern lieber Partnerkarten, da diese meist noch eine Liga besser/leiser kühlen. Abgesehen davon... scheint es wirklich eine Elitementalität zu sein, sich eine Nvidia zu holen. Ich habe schon oft genug gesehen, dass Leute nicht wissen, welche Grafikkarte sie wollen... aber eine Nvidia soll es sein, aus Gründen.

Das ist mir im Großen und Ganzen ein Rätsel, ich gucke eher auf das, was die Firmen machen. Und was das angeht, ist mir AMD sehr viel sympathischer als Nvidia, die Gründe werde ich nun ausführen.
Zunächst einmal ist es eine Sache, Hardware zu entwickeln. Die andere Sache ist es aber, diese Hardware auch gut einzusetzen, sprich die Software. Das geht auch über die Treiber hinaus, beide Hersteller schreiben eigene Bibliotheken für Funktionen, Effekte ect., die Entwickler dann entsprechend benutzen können. Was hierbei sehr stark auffällt ist, dass Nvidia ihre Software so exklusiv wie möglich hält, während AMD generell auf offene Standards setzt.

Nehmen wir mal PhysX - Nvidia-exklusive Effekte. Die kann man auch mit einer AMD-Karte haben, diese werden dann allerdings von der CPU berechnet, wobei dieser Programmpfad auch nicht optimiert wird... sprich, hohe Leistungseinbußen. Mann kann die Effekte auch abschalten, allerdings fehlen sie dann komplett... in Spielen wie Borderlands 2 fällt das sehr stark auf und zwingt den geneigten Gamer mit solchen Spielen quasi zum Kauf einer Nvidia. Weiterhin gibt es auch die Gameworks-Bibliotheken, die verschiedenste Effekte zur Verfügung stellen - als fertig kompilierte DLLs, ohne Einsicht durch den Programmierer oder - vor allem - dem anderen Hersteller für Grafikkarten, der dementsprechend für eine Optimierung ins Blaue raten muss. Dies hat AMD beim Paradebeispiel Watch Dogs in der Öffentlichkeit groß aufgezogen, allerdings ohne juristische Folgen. Als drittes Beispiel hätten wir noch G-Sync. G-Sync synchonisiert die Bildausgabe des Monitors mit der der Grafikkarte. Die Folge: Tearing wird komplett unterbunden, ohne Input-Lag zu erzeugen. AMD hat hierfür eine eigene Lösung - als offener Standard, der im Displayport-Standard 1.2a von VESA aufgenommen wurde und kein zusätzliches Hardwaremodul für den Monitor erfordert, wie das bei G-Sync der Fall ist. CUDA hätte ich fast vergessen - eine GPGPU-API, die von dem übermächtigen Großteil von professionellen Applikationen genutzt wird und - oh Wunder - nur auf Nvidia-Hardware ausgeführt werden kann, auch wenn andere Karten die API in Hardware unterstützen könnten. Glücklicherweise nimmt OpenCL aber rasant an Fahrt auf, nicht zuletzt durch die AMD-Karten im aktuellen Mac Pro.
Neben der Sache, dass Nvidia ihre Karten für viele Anwendungsgruppen verkrüppelt (zB. GPGPU-Leistung, welche für ihre Tesla-Karten wichtig wäre) und aus ihrem Ruf in Form von sehr überzogenen Preisen bei ihren High-End Modellen Profit schlägt (550+€ für die GTX 780Ti geht so gerade noch, 850+€ für eine TITAN Black weniger und 2500+(!)€ für eine TITAN Z - wirklich?), macht ihre stolze bis arrogante Einstellung und die Entwicklung so vieler exklusiver Standards (es gibt noch viele mehr - NVLink zum Beispiel) sie mir sehr unsympathisch.
AMD auf der anderen Seite hat zwar auch proprietäre Funktionen (TrueAudio), die allerdings auch an Hardwaregegebenheiten gekoppelt sind und zumindest von der Idee für mich Sinn ergeben. Dazu haben wir freie Funktionsbibliotheken wie zum Beispiel Tress FX für realistische Haarsimulation (Ja, so etwas brauchen einige Spiele!), welche auch Nvidia einsehen und so gut es geht in ihrem Treiber optimieren darf. Darüber hinaus hält sich AMD wenigstens an die DirectX- und OpenGL-Spezifikationen, etwas, worauf Nvidia keinen so großen Wert legt, da sowieso primär für ihre Karten programmiert wird. Hier muss ich allerdings zugeben, dass ich zu wenig Erfahrung habe, um hier mehr als ein Gerücht hinzuschreiben. Etwas, das ich von AMD wirklich gut finde, ist die API Mantle als Konkurrenz zu DirectX und OpenGL, die von AMD auf Anfrage vieler Spielehersteller zusammen mit DICE entwickelt wurde und einen wesentlich direkteren und Ressourcenschonenderen Zugriff auf die Hardware erlaubt, als die Standardimplementierungen von DirectX und OpenGL, bei denen man zwar auch Low Level programmieren kann, allerdings nur sehr umständlich. Mantle hat Microsoft zur Ankündigung von DirectX 12 veranlasst, worin sicher einiges am Code von Mantle enthalten sein wird - Mantle ist nämlich Open Source und jeder Hersteller von Grafikkarten kann einen Mantle-Treiber für ihre eigenen Karten schreiben. Nvidia hat bereits öffentlich erklärt, Mantle nicht zu unterstützen - man sehe in Mantle keinen Vorteil für Spieler. Bis auf die vielen Benchmarks und die Spielehersteller, denen man das Leben damit leichter machen würde sowie die Unabhängigkeit von Microsoft und damit Windows kann man momentan auch groß keinen Vorteil sehen.

Am Ende des Tages würde ich deswegen aber auch keine überteuerte Hardware mit geringerem Wert kaufen, wenn Nvidia zu entsprechenden Preispunkten jemals klar bessere Produkte bieten sollten, wäre eine Nvidia für mich auch kein Problem. Solange das aber nicht der Fall ist, ist die Entscheidung für mich klar gegen das Monopol und für die Firmen, die zum Glänzen nicht andere Produkte ausbremsen, sondern ihre eigenen verbessern.

Ich denke, warum meine aktuelle Grafikkarte eine von AMD ist, ist ziemlich gut klar geworden. Wenn jemand von mir eine Nvidia empfohlen haben will, weise ich ihn auf diese Dinge hin, versuche aber abseits davon nicht, ihm das auszureden - jeder hat schließlich seinen eigenen Willen, wenn jemand zum Beispiel unbedingt Unterstüzung für PhysX oder CUDA braucht... naja, da fällt die Auswahl leicht. Demnächst werde ich dann erklären, warum ich einen der ach so schwachen FX-Prozessoren in meinem Rechner habe. Ich denke, das könnte etwas schwieriger werden als bei den Grafikkarten...

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